Rezension zum Buch von Rudolf C. Grill und Erna Kaletta: Schicksal oder doch Gottes Führung, Patrimonium Verlag, Aachen 2018

Rudolf C. Grill / Erna Kaletta: Schicksal? Oder doch Gottes Führung?

Buchbesprechung von Maria und Dr. Ulrich Wolff

 

Das Cover dieses Buches zeigt den Ort Stein im Böhmerwald vor dem zweiten Weltkrieg (Es ist ein Gemälde von Adalbert Stifter vom Jahre 1823). Ist dies eine weitere niederschmetternde Beschreibung dieser unmenschlichen Vorgänge der Vertreibung deutschstämmiger Familien aus einem Ostgebiet? Nur wenige direkt Betroffene konnten diese traumatisierenden Ereignisse wirklich verarbeiten und in ihr jetziges Leben integrieren. Umso mehr geht die Familiengeschichte von Familie Grill unter die Haut, die im August 1946 von ihrem Hof im Böhmerwald vertrieben wurde. Rudolf C. Grill und Erna Kaletta, zwei der zehn Kinder von Franz und Hermine Grill, erzählen sie in ihrer ganzen Langzeitwirkung bis heute – bereichert durch viele Brief- und Tagebuchzeugnisse.

Im ersten Teil beschreiben die Autoren anschaulich die Vorgeschichte dieser durch Jahrhunderte christlich geprägten Gegend des Böhmerwaldes. Leben und Gott, Jahreslauf und christliches Brauchtum gehörten selbstverständlich zusammen: „Es waren die Bindungen zu Kirche, Schöpfung und Menschen, die Geborgenheit schenkten und das Land zur Heimat machten.“

Das Gottesbild der Familie Grill war – anders als in vielen Familien damals – ein positives: Gott führt durch alle Situationen in Liebe und Fürsorge. Diese Grundeinstellung ermöglichte es, diese schlimmen Erlebnisse anzunehmen, zu vergeben und sich dadurch zu neuen Aufgaben herausfordern zu lassen. Eindrücklich werden Abschied und die sich anschließenden Stationen der Armut und Ablehnung geschildert, die den Zusammenhalt dieser vertriebenen Familie stärkte, den Glauben und das Tiefenwachstum der einzelnen Familienmitglieder förderte und das Finden der je einzelnen Lebensaufgabe originell prägte.

Voraussetzung einer solchen Lebensdeutung und Lebensgestaltung auf dem Hintergrund dieses erlebten Traumas mit Entwurzelung, Hunger und Krankheit war für die Kinder das heiligmäßige Leben der Eltern Grill: „Die Eltern lebten Glauben vor, der Hoffnung weckte, Liebe und Zuversicht.“ An ihnen erlebten sie „Güte, Liebe und Toleranz“.

Eine Besonderheit dieser Familie ist ein roter Faden durch ihre ganze Geschichte hindurch, nämlich die „Familienweihe“ an die Gottesmutter von Schönstatt am 1. Mai 1957. Diese Art der originellen Bindung an Maria beinhaltet, dass diejenigen, die sich darauf einlassen, in die Grundhaltungen der Mutter Jesu hineinfinden möchten: in die Haltung des Vertrauens auf Gottes Führung, die wie Maria zu Gottes Wegen JA sagen lässt, in die Haltung der Güte, des Vergebens wie Jesus am Kreuz, der Annahme des anderen, so wie er oder sie ist. Wie Maria steht jeder in der Herausforderung, seine persönliche Lebensaufgabe zu suchen und zu leben. Diese Marienweihe und das damit verbundene Ringen sollte die ganze Familie über die nachfolgenden Jahrzehnte prägen und in allen Spannungen immer wieder neu zusammen bringen. Vertreibung und die neue geistige Heimat in der internationalen Schönstattbewegung führte zu erstaunlichen persönlichen Lebensaufgaben.

Eine dieser Hauptaufgaben sieht Familie Grill darin mit zu helfen, dass der Böhmerwald und der ganze Osten wieder „Christus – und Marienland“ wird. Die Neuevangelisierung und die gegenseitige Ergänzung der kirchlichen Traditionen in Ost und West sind ihr Herzensanliegen.

Die Grills sind keine geistlichen Überflieger, sondern normale Menschen mit Eigenheiten und Grenzen. Doch haben sie sich auf Gott eingelassen und sie ließen zu, dass er durch sie wirkt und ihr persönliches Wachstumspotential ausschöpft.

Dies ist ihre Geschichte, die sie als persönliche „Heilsgeschichte“ in Dankbarkeit schildern. Sie lädt ein, das eigene Leben mit seinen Höhen und schweren Erlebnissen als persönliche Heilsgeschichte für sich zu entdecken. Sie kann aber auch ermutigen, über die Chancen eines originellen – vom Glauben geprägten – Familienbrauchtums nachzudenken, das für das ganze Leben eines Menschen Halt, Wachstum und Zielrichtung schenkt.

 

Buchbesprechung
Rudolf C. Grill / Erna Kaletta: Schicksal? Oder doch Gottes Führung?
Buchbesprechung von Maria und Dr. Ulrich Wolff
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